• Heute vor 20 Jahren...

    ... ist die Mauer gefallen, und es soll tatsächlich immer noch deutschdeutsche Menschen geben, die sie am liebsten wieder aufbauen wollen. Ich war damals dreizehn, mein Bruder elf, und mein Papa stürmte unser Zimmer und brüllte uns aus dem IKEA-Stockbett. Paar Wochen später packte uns unsere Mama ins Auto und ab nach Berlin, bewaffnet mit Hammer und Meißel und fest entschlossen, dieses historische Mega-Event so hautnah wie möglich zu erleben. Wir sind dann vorher nochmal zum Friseur, haha, und kauften uns neue, stylische Klamotten für die Großstadt:
    1989 schwess und brut
    Jaaa, das war schön. Die Omma war auch dabei. Und wir meißelten uns einen Wolf - bzw. einen Mauerspecht. Mein Stein hat echt jeden meiner vierzehn Umzüge überlebt und steht immer noch auf meinem Schreibtisch. Mann, hat mich das geflasht damals! Da fährt man Jahr für Jahr, da steht man stundenlang im Transitverkehr, auf dem Weg zu Tante Jutta und Onkel Günther, das Auto randvoll mit Ananas, Kaffee und Bananen - und einmal hat mein Bruder vergessen, sein Mickey-Mouse-Heftchen rechtzeitig zu verstecken, woraufhin die lustigen Grenzbeamten drei Stunden lang unser Auto komplett auseinander nahmen. Haben wir überhaupt nicht kapiert. Und ja auch sowieso nie verstanden, warum unsere Peoples da drüben in Delitzsch bei Leipzig nicht aus ihrem "Land" rausdurften, wir aber schon. Was die denn wohl verbrochen haben, dass man sie eingesperrt hat? Solche Fragen hab ich mir als Kind gestellt, und insofern war es in meiner inneren Welt eigentlich fast schon logisch, dass irgendwann dieser Tag kommen musste, wo dieses seltsam absurde Riesengefängnis endlich aufgemacht wird. Und das war dann also tatsächlich so, und dann tauschte Onkel Günther seinen Trabbi gegen einen BMW, und zum ersten Mal kamen sie uns besuchen, und nicht umgekehrt wir sie. Yeah. Was für ein Fest! Gestern kam sogar Klaus Meine jubilieren bei Dittsche - und Letzterer rief die Mauerwoche aus, nannte Ingos Laden um in "VEB Sandro", DDR in "Der dicke Robert", kochte Einheitsbrei und baute den eisernen Tresen. War alles nicht ganz so improvisiert wie sonst, eher inszeniert, und naklar, man findet immer was zu meckern, sogar bei Dittsche wie auch an der Wiedervereinigung - aber lustig war's trotzdem und Freiheit und Demokratie halt echt einfach überhaupt nicht selbstverständlich. In diesem Sinne: lasset die Korken knallen, hurraaayyyy!

  • Auf einer Skala von 1 bis 10...

    .. wurde mein neuer Song "Liebe macht das Hirn bankrott!" beim Singer-Songwriter-Slam im Freundlich und kompetent irgendwie ganz schön mies bewertet (ich will jetzt keine Zahlen nennen, die Wunden sind noch zu frisch). Mann oh mann, war das übel. Sogar Schlager-Roy bekam mehr Punkte auf sein Gejodel als ich. Puh, das ist hart, Leute.
    F&K-Slam
    Aber: Ins Box-Horn jagen lass ich mich natürlich nicht, weil ich ja weiß: am Song selbst kann's nicht liegen. Der is ein Burner! Also Ursachenforschung betrieben.
    Grund 1: Statt mit 5-köpfiger Band und Background-Sängerin hab ich ihn alleine mit Gitarre performt.
    Grund 2: Ich habe ihn (und mich gleich noch dazu) einem SLAM-Publikum schutzlos ausgeliefert. Größtenteils sehr junge Menschen, die sich freiwillig als Jury meldeten, zückten mit ernster Miene ihre Eddings und malten große wichtige Zahlen auf ihre Blöcke. Diese Tatsache steht in direktem Kausalnexus mit
    Grund 3, der sich trotz intensiven Übens seinen Weg durch meine Blutbahnen flutete, Adrenalin in meine Fingerspitzen schießen ließ und denselben Effekt provozierte wie damals, in der zweiten Klasse, beim Vorspielabend der Musikschule. Nur dass ich damals ein anderes Instrument bändigen - also Klaviertasten statt Saiten treffen musste - und ein anderes Outfit anhatte.
    Naja, ich will jetzt nicht ins Detail gehen, - aber Euch dann doch noch eben verraten, wer ins Finale kam: nämlich niemand Geringerer als Jack Johnson, und zwar gleich VIERFACH. Guggst du selbst:

    JackJohnsons
    In einem Monat bin ich wieder dabei. Bis dahin schreibe ich einen neuen Song, am besten auf die Harmonien von Wonderwall oder so, rasiere mir die Haare auf drei Millimeter, lass mir einen Dreitagesbart wachsen und kauf mir so 'ne coole Mütze. Vielleicht bringt's ja was. Dabeisein ist nichts - gewinnen ist alles! Oder!

  • Nachholbedarf

    Jaaaa! Ihr habt ja alle so recht. Es ist voll lascho, langweilig und gemein von mir, wie lieblos ich mit meinem Blog umgehe. Ich gelobe Besserung und fange heute, hier und jetzt sofort damit an!
    Viel ist passiert. Studio Stoltenberg war vier Wochen lang Brutstätte und Geburtshaus für drei neue Songs - und letzte Ruhestätte für einen vierten, der da hieß "Ich bin ein rohes Ei". Neue Textzeilen flogen mir zu aus dem Nichts, so wie jeden Abend ein Riesenschwarm Wildgänse übers Haus, "Nils!" rief ich Abend für Abend, "Holgersson!", bist du da oben, Prinz meiner Kindheit? Viele Instrumente wurden ausprobiert, mit der Weltweit-Sammlung des Max O. Menos herumexperimentiert: Eine indische Zither fand Platz in unserem Chart-Hit "Die politisch nicht korrekte Libido", und ein Haufen anderes Zeug von irgendwo am anderen Ende des Globus, don't ask me about the names...! Hauptsache es groovt, nä?!

    Jo. Live gespielt haben wir auch, so zum Beispiel vor ungefähr 15 Kindern und drei Erwachsenen, das war lustig, an einem sonnigen Sonntagnachmittag in der Bundeshauptstadt, in welcher .. oh Gott, ich wollte gerade mal ein paar Minuten lang NICHT daran denken, welches schwarzgelbe Grauen sich da gerade zusammenbraut! pffff... Schämen sollt Ihr Euch, Ihr Nichtwähler, Ihr seid schuld an dem Desaster! Ich meine, schaut mal was Ihr angerichtet habt, unser zukünftiger Außenminister ist ein linguistischer Krüppel: -KLICK-

    Naja, okay, äh, also wo war ich? Berlin. Ja. Im Mauerpark haben wir auch gespielt, late at night, zusammen mit Nele, das war ganz wunderbar, ein buntes Happening, an jeder Ecke ein anderer Musiker, 'ne andere Band, und eine Frau hat uns sogar 'nen 10-Euro-Schein in den Hut geworfen. Inzwischen is Max wieder auf seiner griechischen Insel und ich werde die nächsten Auftritte alleine bewerkstelligen müssen. Nächsten Donnerstag geht's schon los mit dem ersten! Angst! Ohne Percussion klingt meine Gitarre so nackt und hilflos... Aber: Ich übe tapfer jeden Tag, hab schon Hornhaut an den Fingerkuppen, meine Nachbarn vermutlich an den Ohren - but I don't let me underget.

    Achja! Und dann war da ja noch das internationale Summercamp an der Popakademie Mannheim, wo ich 8 Tage lang mit 65 anderen Musiker(innen) aus 10 verschiedenen Ländern ein Maximum an kreativer Fusion und Explosion erleben durfte! Mann oh mann. Das war vielleicht was. Jeden Morgen gab's Body-Percussion zum Aufwachen, Workshops, Einzelunterricht und Seminare bei den coolsten Musikern, Sänger(inne)n und Performern, und meine Band - wir hießen "33 centisimi" - bestand aus der süßen Serena (Drums) aus Rom, ihrem Freund Alessandro (Bass), Nick aus München (Lead-Gitarre) und Simone aus Schwetzingen (Vocals und Keys), unser Coach war Helmut Krumminga, der Komponist und Lead-Gitarrist von BAP. Zwei unserer Songs haben wir im Studio eingespielt, und sobald der Mix fertig ist, bekommen wir sie zugeschickt, hurra! Auch den Video-Mitschnitt vom Abschlusskonzert... und das könnt Ihr dann alles auf meiner Schwess-Seite anhören und angucken. Kleiner Vorgeschmack - vor der Show, nochmal vor der Show und während der Show:
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    Außerdem war das Catering spektakulär, jeden Mittag und Abend das fette Büffet mit den leckersten .. hachja.. drei Kilo in 8 Tagen sag ich dazu nur ;o) "Trentatre centisimi" ist übrigens italienisch und bedeutet "33 cent", was aber erst in dritter Linie eine Anspielung auf 50 Cent sein könnte wenn man wollte, in erster Linie aber eine Anspielung auf meine Intonation ist, diewelche nämlich, wie herausgefunden, immer EXAKT 33 Cent tiefer liegt als der Ton, den es eigentlich zu treffen gilt. Außerdem passt in diesen Zusammenhang noch die Tatsache, dass ich das Schnapszahl-Glück habe, 33 Jahre alt zu sein, dass die Popakademie in der Hafenstraße 33 liegt und wir 3 und 3 Leuz, im Proberaum Nummer 3, 3 Songs kreiert und geprobt haben.

    And now I go to bed. Hope you are erstmal einigermaßen satisfied with the update, alles weitere in Bälde, I promise! Love and Peace - Eure Schwessi

  • Weltpremiere in Treuholz

    Man stelle sich vor: ein alter Bahnhof aus roten Klinkersteinen, ein verwilderter Garten, eine Bühne, ein ganzes Bataillon Musiker und Instrumente, ein lauschwilliges Publikum. Ein Sonnenuntergang, und viel viel später: ein Max O. Menos und ein Schwess, ausgerüstet mit selbstgebasteltem Plastik-Megafon, Cajonito, Mundharmonika, zwei Gitarren und vier Songs. Völlig unterprobt und nicht vorbereitet auf ein Publikum, das mehr als vier hören wollte. Trotzdem gefreut. Sogar sehr. Welt-Premiere am Arsch derselben - unser erster Live-Gig, hurra, in Treuholz, das in der Nähe von Bad Oldesloe liegt, was wiederum in der Nähe von Hamburg liegt. Metropolen, Kulturhochburgen, pfff - das kann ja jeder.
    Gartenbühne09Gartenbühne2009Und weil's so schön war, hat es uns 2 Tage später erneut in die Pampa verschlagen. Sie nennen es "Stoltenberg". Der Blick, uneingeschränkt, streichelt endlose Getreidefelder, Wälder, Seen und Wiesen, das großstadtgeflashte Auge schnauft mal wieder kurz durch, das Näschen schickt Erinnerungsimpulse ans Gehirn, weißt du noch, so riecht das, Natur und so, hmmm, jaaa, lecker. Und das Ohr, die Fingerchen und Stimmbänder machen sich auf zu neuen Ufern Schrägstrich neuen Songs. Studio Stoltenberg, das übrigens in der Nähe von Preetz liegt, was wiederum in der Nähe von Kiel liegt. We didn't start yet, ungelegte Land-Eier, die wir sind, aber sobald was Neues im Kasten is, könnt Ihr das HIER hören.

  • Reisen im Alltag

    Da hab ich mich ja grade sowas von gefreut, das will ich Euch nicht vorenthalten. Hat doch mein Hermann-Hesse-Kalender 2009 für den Monat JULI folgendes Zitat vom großen Meister drinstehen:

    "Die Menschen, denen auf Reisen Fremdes schnell und freundlich vertraut wird und die ein Auge fürs Echte und Wertvolle haben, das sind dieselben, welche im Leben überhaupt einen Sinn erkannt haben und ihrem Stern zu folgen wissen. Ein starkes Heimweh nach den Quellen des Lebens, ein Verlangen, sich mit allem Lebendigen, Schaffenden, Wachsenden befreundet und eins zu fühlen, ist ihr Schlüssel zu den Geheimnissen der Welt, welchen sie nicht nur auf Reisen in ferne Länder, sondern ebenso im Rhythmus des täglichen Lebens und Erlebens begierig und beglückt nachgehen."

    (Hermann Hesse, aus: "Über das Reisen", 1904)

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  • Zur Feier des Tages fahre ich ans Meer.

    Donnerstag, 25. Juni 2009, 12:20 Uhr
    Ich sitze im Regional-Express von Hamburg nach Lübeck, höre Johnny Cash und denke über mein Leben nach. Schließlich wird man nicht jeden Tag dreiunddreißig. Fühlt sich gut an, dieses Alter! Und hat einen wunderbaren Klang. Schöner als irgendwas mit zwanzig, oder zwölf oder dreizehn. Apropos. Genau heute vor 20 Jahren hab ich in meinem kleinen Heimatdorf Wohlmuthshüll meinen dreizehnten Geburtstag gefeiert. Und dachte so: Wow, jetzt bin ich ein Teenager. Ein denkwürdiger Tag, in mehrfacher Hinsicht, hab ich doch das erste Tagebuch meines Lebens geschenkt gekriegt - so richtig mit Sicherheitsschloss und knallepink mit einer Minnie Mouse drauf! - und es außerdem gewagt, den Sebi einzuladen, in den ich zu diesem Zeitpunkt nämlich gerade verknallt war.
    Und dann war das so, also man muss wissen, ich komme aus einer ziemlich unordentlichen Familie, wo sich alles türmt und stapelt und dauernd irgendwas verschwindet, niemand nie findet was jemand sucht, und sich dann irgendwer darüber aufregt. Lieblingssatz meines Vaters: "Gewöhnt Euch das BLOS net an, Kinder!" Und - ja nee, das wollte ich ja auch ganz bestimmt nicht. Hab aber nichtsdestotrotz ganze zwei Tage damit zugebracht, mein Zimmer aufzuräumen, damit ich überhaupt Gäste empfangen konnte - vielmehr UNSER, ich hab es nämlich mit meinem Bruder Rüdiger bewohnt (der vielleicht lieber anonym bleiben möchte? .. zu spät!). Na jedenfalls: was ruft meine Freundin Inka mit vor Entsetzen verzerrtem Gesicht aus, als sie das so sorgfältig hergerichtete Zimmerchen betritt?

    "Huuäääh?!?? Hat hier 'ne Bombe eingeschlagen? Ich denk du hast aufgeräumt?!?"

    Das war mir peinlich, und ich begann an meiner Wahrnehmung zu zweifeln (und hab bis heute nicht wieder damit aufgehört). Und dann wurde das Ganze noch getoppt durch die Tatsache, dass Sebi da war. Und nochmal getoppt durch meine Mama, die mich später fragte: "Gell, deine Freundinnen denken, du hast gar nicht aufgeräumt?" Und schließlich gipfelte die Schmach in einer von meinem Papa perfektionistisch durchgeplanten Schnitzeljagd, die, statt romantische Momente zwischen Sebi und mir auszulösen, noch Wochen später zu Hohngelächter unter den coolen Jungs in meiner Klasse führte. Was ich nämlich nicht wusste, war: Sebi, mein Traumprinz, mein Schwarm, der potenzielle Vater meiner Kinder war im zarten Alter von 13einhalb schon ein Koma-Säufer vor dem Herrn und leidenschaftlicher Kettenkiffer - dem war das logischerweise voll zu lascho-luschi-langweilig, so'n Spießo-Kindergeburtstag mit Torte essen und Schnitzeljagd im Wald. Is ja klar. Ich wurde also zum Gespött der Klasse: bei den Tussis, weil mein Zimmer so verschlampert war. Und bei den coolen Mackern, weil ich noch so ein Baby war.
    Aber - Achtung, Erkenntnis des Tages:
    vielleicht war ich ja einfach nur ein ganz normales Kind?
    Das halt blöderweise schon sehr früh damit angefangen hat, sich in die falschen Männer zu verlieben?
    Naja.
    Wenigstens das mit dem Aufräumen hab ich inzwischen besser drauf.

    13:11 Uhr, RE, inzwischen Element of Crime im Ohr.
    Die ersten Tropfen flatschen an die Scheibe, ich schicke prophylaktisch den Wunsch los, nachher am Strand möge die Sonne rauskommen. Is ja schließlich mein Burzeltach, nä?! Schrebergartenhäuschen ziehen vorbei, kein Lüftchen durchwirbelt die Blätter - totale Windstille, na das ist doch schonmal gut.

    13:35 Uhr, Travemünde, Strand.
    Es weht und stürmt, es braust und brandet und schäumt und zischt und ich habe meinen Haargummi vergessen. Stattdessen hab ich überflüssigerweise meine Sonnenbrille mit, die taugt aber nicht mal, um mir die herumpeitschenden Haarbündel ausm Blickfeld zu halten. Überflüssig zum zweiten mein XXL-Strandhandtuch, überflüssig drei meine Schwimmbrille - den Bikini zu erwähnen erübrigt sich. Die Wellen sind voll mit braunem Zeug, aber türmen sich richtig schön auf; es stinkt nach Altalgen. Die einzigen Menschen, die außer mir hier an den ausgestorbenen Strandkorb-Armeen entlangpilgern, sind von ihren Lehrern dazu gezwungen. Oder wurden mit der Rentnerschwemme angespült und haben gerade nichts anderes zu tun.

    Ich laufe auf einen Holzsteg und singe vor mich hin, das ist der Vorteil an solchen Tagen, da hört einen keiner. Die Wellen überschlagen sich vor Freude, spritzen zwischen den Planken hoch und küssen meine Fußsohlen. Oh ja, ich hab dich doch auch sooo vermisst, Sister Sea! Schon ganze 10 Tage isses her! Und jetzt bist du dreckig und wild und laut statt türkis und sanft und leise, und wenn ich singe, verschlingst du meine Stimme in deinem Rauschen, und das fühlt sich so an, als würdest DU mir diese Lieder singen, als spezielles Geburtstagsgeschenk. Ganz schön cool. Sänx a lot.

    15:10 Uhr, Strandpromenade

    Es gießt in Strömen, ich beschließe mir eine Kugel Eis mit Champagnergeschmack zu holen und dann flugs in den nächsten Zug nach Hamburg zu springen.

    Erkenntnis des Tages, die zweite: Always take a Regenponcho with you, even if it's your birthday.

  • Ach soo ist das! Oder?

    Die Altonale ist vorbei und der Himmel wird blauer. Der Sommer ist da - glaub ich. "Altonale" heißt dieses kulturelle Happening, von dem ich schrub, im Hamburger Stadtteil Altona, wobei die Betonung verschoben wird aufs zweite "a", sobald das "-le" rangehängt wird - es handelt sich also um ein Pendant zur "Berlinale" und nicht etwa um eine Verniedlichungsform fränkisch-schwäbischen Ursprungs, im Sinne von "das kleine Altona". Schade eigentlich - und auch, dass es schon vorbei ist, hab ich doch kaum was davon mitgekriegt dieses Jahr. Aber "mai pen rai" sagt der Thai, Hamburg ist auch einfach so schön. Hamburg ist inspirierend! Fragen und Erkenntnisse ohne Ende drängen sich auf, stürmen auf mich ein, so zum Beispiel beim Joggen am Elbstrand - und auf dem Weg dorthin.

    Erkenntnis des Tages, die erste: Großstadtmenschen sehen alle gleich aus. Die gleichen Sonnenbrillen, die gleichen Frisuren, die gleichen Klamotten. WARUM ist das denn eigentlich so? Und denken sie dasselbe von den Kleinstadtmenschen?

    Erkenntnis des Tages, die zweite: Mein Knie ist ein Weich-Ei. Und was für eins! Dabei hab ich's ihm echt immer wieder gesagt in den letzten Monaten, beim Schwimmen: Gewöhn dich nicht zu sehr dran, gell! Es kommen auch wieder härtere Zeiten, ohne Meer vor der Haustür! Dann isses vorbei mit der Unbeschwertheit! Dann heißt es wieder Gewicht rumschleppen, Altonaer Balkon, Övelgönne, Teufelsbrück und zurück - und zwar in der Vertikalen, meine Liebe! Nix mehr mit Plätscher-Plätscher und das Salzwasser trägt uns durch die Gegend. Dann gibt's wieder Verkehrsfluss statt Meeresrauschen, und Großstadtmenschen in Bikinis, auf kleinen Grasinseln zwischen Hochhäusern und Hundekot, und Kinderwägen im Feinstaubnebel, und Konsumzwang im Briefkasten und... puh.

    Hamburg hat mich wieder.

    Und frisst meine Zeit! Ohne zu fragen frisst diese unverschämte Stadt mir meine kostbare Zeit weg. WARUM ist das so?
    Ein mysteriöses Phänomen.
    Ich forsche weiter.

  • Hamburg, Altona

    Touristengleich streune ich in meinem Viertel umher, und keiner kennt mich, und keinen kenn ich, und an jeder Ecke 'ne andere Band, ein anderes Tätärätää oder Pantomime oder Breakdance, und manche werben auch mit großen Tafeln und Handzetteln für eine bessere Welt, aber keiner bleibt stehen, weil da passiert ja nix. Und wenn ich mal stehenbleibe bei so - sie nennen es Hip Hop - einer Gruppe von jungen Rappern, die voll ins Mikro brüllen, und zwar so Sätze wie "..".. äh.. - jetz hab ich's doch glatt vergessen. Mist. Aber ich glaube es hatte was mit Scheißefickenarschlochwixerichhaudirindiefressepisser zu tun. Der Refrain war "Hasta la vista, Baby". Das rockt. Was 'ne Message! Wenigstens kam die Sonne nochmal raus, nach einem ausführlichen Heulkrampf des Himmels. Meine Runde um den Block war trotzdem relativ schnell zu Ende; eine Bühne weiter war der Schlagzeuger sowas von daneben, dass meine Wahrnehmung für die Gesamtdarbietung gleich voll zertrommelt und verwirbelt war, noch eine Bühne weiter gab's volkstümliche hanseatische Hamburg-I-love-you-Schunkelsongs, und alle anderen waren gerade am umbauen. Hm. Bin ich erstmal wieder heim, hab eh genug zu tun. Vielleicht später nochmal raus, aber da isses dann wieder so schweinekalt und stinkt nach Bier überall und .. - oh Scheiße, ich werde alt und spießig. Keine gute Voraussetzung für eine Pop-Karriere, was?! Ich sollte lieber zum Freak mutieren! Ich sollte mich zudröhnen, mit allen nur verfügbaren illegalen Substanzen! Ich sollte nie vor Sonnenaufgang ins Bett gehen, vor allem nicht in mein eigenes! Ich sollte meinen Teddy ins Exil verbannen! Ich sollte nie wieder die Sonnenbrille abnehmen und mir die Haare bunt färben oder abrasieren oder ins Gesicht wachsen lassen, in etwa so:
    Cousine-It-Aerodromo-Samou
    Foto: El Greco

  • Heizen im Juni

    So.
    Nun bin ich also tatsächlich wieder so richtig in Hamburg. Seit gestern. Nach fünf Monaten Thailand, drei Wochen Deutschland und vier Wochen Samos. Der schlagende Beweis für diese Tatsache ist, dass aus dem Wasserhahn einfach so ganz heißes Wasser kommt, in Form eines Strahls mit richtig Power. Dass ich neuerdings wieder so Geräte benutze wie beispielsweise einen elektrischen Haartrockner, in Fachkreisen auch Föhn genannt. Dass ich drei Schichten Shirts plus Pulli und zwei Schichten Socken trage, die Heizungen in meiner vereinsamten Wohnung alle voll aufgedreht und trotzdem noch Fröstel-Alarm. Ich habe ein Eukalyptus-Erkältungsbad und dreieinhalb Liter Tee hinter mir. Ich weiß nicht, was das alles soll.

    Es ist Juni! Ist es nicht?

    Na gut - hier kommt das Kontrastprogramm. Da ich dieses Blog in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt habe, kriegt Ihr die Infos von meiner Zeit auf Samos ab sofort nachgeliefert. Zum Beispiel war das hier die Geheimbucht, in die sich außer mir nie jemand verirrt hat, (weil eher beschwerlich und rutschig, der Weg dahin) und die ich (fast) jeden Morgen aufgesucht habe, um den Tag schon völlig endorphinüberladen zu beginnen:
    MeineBucht1MeineBucht2

    Und das hier war der Blick, den ich dann den restlichen Tag über von meinem Arbeitsplatz aus genießen durfte:
    Wohnzimmerblick
    Und das war das Wetter: Mindesttemperatur 30 Grad, Höchsttemperatur 35 Grad im Schatten, meistens leichter Wind, salzluftgeschwängert, zweimal Regenschauer.

    Ja, genau: es ist Juni!

    Und das war das Essen: Gegrillte Dorade, Tsaziki, Teigbällsche mit Honig, Olivenpaste, Meeresfrüchte-Spaghetti, Kalamares, Saganaki, Kichererbsenbällchen, Sardellensalat, eine in Honig getränkte sauuuuleckere Art von samoitischer Nusskuchenspezialität, deren Namen ich nicht weiß und das raubt mir nachts den Schlaf und tags den letzten Nerv.

    Und das wars für heute.
    Bis die Nächte!
    Es grüßt
    Das frierende Elend

    P.S.: Hausaufgabe: Songs auschecken! Inzwischen sind es schon drei an der Zahl.. und die wundersame Vermehrung wird weitergehen, Freunde! :o) http://www.myspace.com/schwess

  • Ein historischer Moment.

    HEUTE, Smatsga, Stagmas, nein SAMSTAG (puh, die Aufregung!), den 13. Junooo 2009 wurde - vor genau 14 Minuten - im kleinen Dorf Ireon auf der griechischen Insel SAMOS der - tatatataaaaaa: finale Mix zweier zwar noch nicht finaler aber immerhin unglaublich genialer DEMO-Songs aus meiner Feder, meinem Kehlkopf und meinem virtuosen Musikerfreund Somas, auch genannt Max O. Menos, auch genannt Der-Mann-mit-den-wunden-Fingern, auch genannt El Greco VOLL-ENDET.

    Und Ihr seid dabei!

    HIER klicken, dann hören.

    Ach so - and here comes the lyrix:

    MEIN HERZ UND ICH

    Manchmal wurde es so schwer wie' n altes Mühlenrad
    doch so mancher Stein fiel wenn ich's ausgeschüttet hab
    - oder auch mal verschenkt wie Freibier
    und es ging mir so auf dass ich dachte es zerreißt mir
    - und wenn's mir dann stehenblieb an manchen Tagen
    hab ich's einfach auf der Zunge weitergetragen.
    Es ist mir oft in die Hose gerutscht, aber war immer dabei
    - wir waren wie Fabienne und Butch, doch das ist leider vorbei

    Herr Kommissar, mir wurde mein Herz geklaut - hab wohl vergessen, es festzubinden.
    Es ist leicht zerbrechlich und schlägt ganz laut - können Sie mir helfen, es wiederzufinden?
    Jetzt geben Sie mir schon das Vermisstenanzeigeformular
    und machen Sie den Suchtrupp vom Spezialeinsatzkommando klar!

    Aber er schaut mich nur an und lacht
    und sagt: "Sorry - das liegt leider nicht in meiner Macht."

    Herr Doktor, können Sie sich das bitte mal anschaun? Was ist da los dass ich dauernd so zittern muss?
    Er sagt: auf dem Röntgenbild sieht man's ganz genau: Das ist ein hochkomplizierter Splitterbruch
    das wieder zu heilen geht nur mit Magie - das schafft kein medizinologisches Genie.
    Ich sag: dann überweisen Sie mich doch jetzt gleich mal
    in Ihr Abrakadabra-Spezial-Hospital !

    Er schickt mich wieder weg und grinst nur krumm -
    Ich klau mir das OP-Besteck und 'n Liter Morphium

    Herr Fachverkäufer, ich hab ein Herz zu reklamieren - da is noch Garantie drauf! - können Sie das mal reparieren?
    Er sagt: wollen Sie mich verarschen, Miss? Das sieht doch ein Blinder, dass da nix mehr zu machen is,
    aber was halten Sie denn von diesen neuen Modellen - die sind im Angebot !
    Da könnt ich Ihnen gleich eins davon bestellen - hier ist der Katalog.
    - Okay dann hätt ich bitte gern so eins, das zuverlässig funktioniert und nicht gleich anfängt zu flattern wenn man's mal wieder ausprobiert
    und natürlich muss es abschließbar und bruchsicher sein!
    Haben Sie denn sowas da?
    Er sagt: ich glaube nein.

    Jetzt wird mir schwindlig und ich fall gleich um -
    da sagt er: "Schau'n Sie doch mal in die Rosarote-Brillen-Abteilung"

    ********************************************

    SCHLAFENDE VULKANE

    Jetzt isses schon wieder Mai und wir sind mehr als dabei,
    wir sind mehr als nur frei, ganz ohne Drogen ganz high
    von dem radikalen Feeling echt am Leben zu sein
    immer nur unterwegs - und überall daheim.
    Wie weit ich mich entferne is dann auch egal,
    hab wie Sonnen Monde Sterne meine Umlaufbahn
    Meine Strahlen umarmen die Welt - ich bin Ebbe und Flut,
    wachs mit Blumen aus der Erde und spür meine Roots

    Ich hör die Vulkane schlafen...
    und dann brechen wir gemeinsam aus !

    Ich fließe mit dem Strom - regne aus den Wolken,
    werde Schnee und ich seh alle Lawinen, die rollten,
    wehe mit dem Wind, steh am Himmel grau und dick
    - und mein ganzes Leben nur dieser eine Augenblick!
    Dreh mich mit, wenn die Planeten kreisen
    als eine von Milliarden Ameisen
    Tausende Farben, die um mich schweben
    und in mir drin kocht und brodelt das Leben

    Ich hör die Vulkane schlafen...
    und dann brechen wir gemeinsam aus !

    Wir wollen für immer mit dem Wetterleuchten
    und wir wissen genau, was wir am besten bräuchten
    - auch der größte Verzicht führt dann zu fetten Bäuchen,
    der schlimmste Verlust kann dann ein Fest bedeuten!
    Wie Donner und Blitz - aber die hellsten lauten,
    wir fühlen durch uns durch die Wellen rauschen,
    wir wollen bis unter die tiefsten Felsen tauchen
    - da unten überirdischen Gesängen lauschen

    Wir hör'n die Vulkane schlafen...
    und dann brechen wir gemeinsam aus !

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